Hans SELYE

Als Pionier der Stressforschung gilt der kanadische Mediziner Hans SELYE (1907-1982). SELYE war ungarnstämmiger Wiener und wanderte 1934 nach Kanada aus. Die von ihm entwickelte Theorie vom „Allgemeinen Adaptationssyndrom“ (später bekannt geworden als „Selye-Syndrom“) begründete die Wissenschaft vom Stress und führte den Begriff in die Allgemeinmedizin ein.

SELYE untersuchte in diesem Frühstadium der Stress-Forschung vorwiegend Symptome physischer Art, später sollten auch mentale und emotionale Symptombilder ins Zentrum der Untersuchungen gelangen.

Nach der Wahrnehmung jedes Stressors folgt eine Phase der Anpassung (eine „Gewöhnungsphase“), die wiederum als Entspannung erlebt wird. Dadurch versucht der Mensch seine Erregungs- und Ruhezustände auf einem Gleichgewichtsniveau (Homöostase) einzupendeln.

Richard LAZARUS

Eine wesentliche Erweiterung erfuhr die Theorie des „Allgemeinen Adaptationssyndroms“ von SELYE durch die Forschungen des US-Psychologen Richard LAZARUS (1922-2002), der Stresssituationen als Wechselwirkungsprozesse zwischen den Anforderungen der Stress auslösenden Situation und der betroffenen Person betrachtet.

Im Gegensatz zu SELYEs Stresstheorie geht das Modell von LAZARUS davon aus, dass nicht die Beschaffenheit der Reize (der Stressoren) oder der den konkreten Reiz auslösenden Situation von Bedeutung für die Symptombildung ist, sondern die individuelle kognitive Verarbeitung derselben durch den Betroffenen. In einem mehrstufigen Bewertungsprozess entscheidet das Individuum auf Grund früherer Erfahrungen, welche Bedeutung (negativ, positiv oder indifferent) es dem aktuellen Stressor beimisst. Dadurch wird auch erklärbar, warum verschiedene Menschen für ein und denselben Stressor höchst unterschiedliche Anfälligkeiten zu zeigen vermögen.